Heidelberger Hearts and Castles Quilt Guild e.V.
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Bunter Weißwäschequilt

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Ein quilt von Annerose Jörger

Monogram-Weißwäschequilt

Monogram-Weißwäschequilt Detail

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In meinem Zuhause existierte eine Rarität, selten zu finden bei patchworkbegeisterten Näherinnen: Eine große freie Wand! Der Treppenabgang rief förmlich danach, durch Stoff Leben eingehaucht zu bekommen. Klar war für mich, dass es etwas mit vielen Farben werden sollte, aber was genau? Beim Durchstöbern einiger Patchworkzeitschriften fiel mir ein Quilt ins Auge, bei dem alte Stickereien verarbeitet waren. Das traf sich sehr gut, da ich in meinem Fundus bereits seit langer Zeit schöne, gestickte Decken, passend für alle Jahreszeiten hütete. Es handelte sich um Erbstücke – in nostalgischen Momenten habe ich sie mir angesehen, mich meiner Mutter ganz verbunden gefühlt und dann lagen sie wieder im Schrank. Dafür waren sie eindeutig zu schade.

Der Entschluss, die Stickereien zu „verarbeiten“ war eindeutig leichter gefasst, als den ersten Schnitt zu setzen. Es kostete mich zugegeben Überwindung, die handgestickten, lange Zeit mit größter Sorgfalt bewahrten Kunstwerke mit dem Cutter zu zerschneiden. Aber Quilterinnen zerschneiden die schönsten Stoffe oft ohne Hemmungen. Der Gedanke half mir. Außerdem bin ich sicher, wenn unsere Mütter und Großmütter, die so toll gestickt haben, schon Patchwork gekannt hätten, wären sie sicher gern bei uns Mitglied geworden und hätten an den vielen Möglichkeiten des Nähens große Freude gehabt und meinen Entschluss verstanden.

Die Fläche, die der Quilt letztlich füllen sollte, stellte sich als ehrgeiziges Ziel heraus. Schneller als gedacht hatte ich all meine gehüteten Schätze in passende Rechtecke zerschnitten – aber diese reichten nicht. Also wurde ich zur Sammlerin. Im Freundes- und Verwandtenkreis durchsuchten alle ihre eigenen „Stickerei-Bestände“. Den meisten ging es ähnlich: Zum Wegwerfen zu schade, aber was damit machen, wenn man es aufhebt? So gaben einige mit Freude die Stickereien ab, die durch mich einem neuen Verwendungszweck bekamen. Außerdem wurde ich auf Flohmärkten und dem Heidelberger Herbst fündig, es fühlt sich an wie auf Schatzsuche zu gehen! Jede Person, die gerne näht, kennt das glückliche Gefühl, wenn man ein weiteres passendes Stoffstück „erbeutet“ hat. So kam ein um das andere passende Stück zusammen, bis die Menge ausreichte.

Den bunten Stickereien wollte ich eine ruhige aber dennoch fröhliche Farbe zur Seite stellen. Ein alter Bettbezug mit Maiglöckchenmuster und Großmutters gute gestickte Tischdecke, die nur an besonderen Tagen aufgelegt wurde, wanderten hierfür in die Waschmaschine und wurden grün gefärbt. Die große Tischdecke ist nun zur Rückwand meines Quilts geworden. Einen Blick drauf zu werfen lohnt sich, so einen schönen Rücken hat sonst keiner meiner Quilts.

Annerose Jörger


 

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