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Monogramm-Weißwäschequilt

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Ein Weißwäschequilt von Gerda Spatz

Monogram-Weißwäschequilt

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Monogram-Weißwäschequilt Detail

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Angefangen hat alles damit, dass ich meinen Wäscheschrank ausräumen wollte. Ein ganzer Stapel alter Bett- und Tischwäsche, ererbt von Mutter- Groß- und Schwiegermutter, nahm seit langem viel Platz weg. Wozu soll ich das alles eigentlich aufheben? Seit Jahren nicht benutzt vergilbten die alten Wäschestücke so vor sich hin. Fürs Benutzen war ihre Zeit wirklich abgelaufen. Wer will schon auf einem brettharten Leinenbettuch schlafen. Das mag ja im Hochsommer recht angenehm sein, aber das Waschen und mühsame Bügeln hebt wohl den kurzen Komfort in den wenigen heißen Sommernächten bei weitem auf. Da greift man doch lieber auf bügelfreie Spannbettücher zurück. Und wer weiß heute noch, dass es sich bei den großen Stücken mit den zahllosen Knopflöchern um Einschlagdecken handelt, deren Gegenstücke mit den vielen Knöpfen längst dahin sind. Und dann die Kopfkissen, spitzenverzierte quadratische Kunstwerke, schön anzusehen, aber als Bezug für schmale halswirbelsäulenstützende Kopfunterlagen wirklich nicht geeignet. Wer benutzt denn heute noch hohlsaumverzierte Leinenhandtücher und handgerollte Taschentücher? Also weg damit!

Eigentlich schade, einfach wegwerfen, das, was früheren Frauengenerationen als wertvoller Schatz galt. So eine Aussteuer sollte damals ein Leben lang halten und wurde liebevoll gepflegt. Wohl so gut, dass nach jahrelangem Gebrauch immer noch Einzelstücke übrig blieben und vererbt werden konnten auf die nächste Generation. Die modernen jungen Frauen haben sich von solchem Ererbtem frei gemacht, die wollen was praktisches, pflegeleichtes, modisches.

Alle die alten Wäschestücke sind mit einem Monogramm versehen, kunstvoll und besitzanzeigend sind die Initialen eingestickt. Mal so verschlungen, dass die Buchstaben kaum zu erkennen sind, mal schlicht gerade oder kühn geschwungen, jeweils dem Stil der Zeit entsprechend. Mal sogar mit einer Nummer versehen, damit wohl die Stücke nach der Benutzung kontrolliert werden können. Das ist alles auf lange Gebrauchszeit angelegt, da steckt viel Mühe und Sorgfalt dahinter. Wegwerfen?

Nein, bewahren und aufheben in neuer Form will das, um es dann wieder weiter zu vererben. Und so habe ich angefangen einen Quilt zu nähen, meinen Monogramm-Quilt. Wer war TH? Mutter oder Tochter von wem? Und MR? Gehörten die zusammen? Die Monogramme sind wie kleine Portraits, kleine Ahnenbilder, eine Ahnengalerie mal anders. Alle die ausgeschnittenen, hübschen Monogramme sollten ein kleinen Rahmen bekommen, ähnlich wie bei unserer Familienfotowand, die mein Mann liebevoll respektlos unsere „Kitschecke“ nennt. Für die habe ich auf manchem Flohmarkt alte Bilderrahmen erstanden, am liebsten ovale oder runde Holzrahmen. Jetzt habe ich meinen Haushalt nach alten Wäschestücken mit Monogrammen durchforstet. Manches habe ich geschenkt bekommen, dann und wann etwas auf dem Flohmarkt ergattert. Von den meisten Initialen weiß ich die vollen Namen und Lebensdaten und den Verwandtschaftsgrad. Das älteste Porträt in meinem Quilt reicht weit ins 19. Jahrhundert zurück. Die Buchstaben F-St stehen für Franziska Streitl, eine Urahnin, von der bekannt ist, dass sie 1848 geheiratet hat und 1857 im Kindsbett gestorben ist. Weshalb sich gerade von ihr noch Wäschestücke erhalten haben, ist mir nicht ganz erklärlich. Aber mit dem Wegwerfen hatten es frühere Generationen nicht so eilig, ein Glück für mich.

Da sind sie nun alle zusammen, Mütter, Großmütter, Urgroßmütter, Schwiegermütter, Tanten, Schwestern. Es ist ein Quilt zum Erzählen geworden, für meine Tochter und Enkelin, Geschichte der Frauen, Frauengeschichten. Was haben diese Frauen erlebt, wie sah ihr Alltag aus, welche dramatischen Zeiten mussten sie bewältigen. Familiengeschichte aus weiblicher Sicht zum Anfassen, Zeitgeschichte, vielleicht sogar Kulturgeschichte.

Gerda Spatz

 



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